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Karlsruher 24 h Lauf

7.08.2013

Heute bin ich nicht nervös. Wieso auch? Wir wollen 24 Stunden lang laufen – was kann passieren? Müdigkeit, Schmerzen? Ja klar, dann leg ich mich halt ins Auto. Wir haben alles dabei, was man vielleicht so brauchen könnte, und zu essen gibt es ja hoffentlich auch genug.

Klar, so eine gewisse Vorstartnervosität ist schon da, wie immer halt. Mit Anja fahren wir am Samstagmorgen nach Karlsruhe. Uns ist noch nicht so ganz klar, wohin wir müssen und so stellen wir den Bus vorsichtshalber auf einen Parkplatz außerhalb des KIT-Geländes ab.

Melanie Straß ist ebenfalls auf der Suche nach dem rechten Weg. Gemeinsam erreichen wir zu Fuß den Parkplatz vom „Walk In“, das ist das Fittnesscenter vom KIT (Karlsruher Institut für Technologie). Im Obergeschoss werden die Startunterlagen samt Funktionsshirt verteilt. Wir holen den Bus und bekommen von Martin Rudolf einen netten Parkplatz unter Bäumen zugewiesen. Gleich gegenüber in dem Gebäude ist eine Toilette für die Läufer geöffnet.

Am Startbereich gibt es weitere Toiletten darunter 2 Dixies direkt an der Strecke. Maya Lukas und Jens Stutzke rufen um 9.45 Uhr zum Briefing, wo nochmal alles wichtige erklärt wird. Es sind ja Deutsche Meisterschaften, und deshalb muss das Reglement eingehalten werden.

Punkt 10 Uhr wird dann die Uhr gestartet. 117 Läufer machen sich auf den Weg. Zuerst geht nach links, am Verpflegungszelt vorbei. Gleich daran schließt sich die Eigenverpflegungszone an. Hier stehen die Betreuer und feuern uns an. Um eine Rechtskurve weiter ist immer noch Eigenverpflegung. Unser Bus steht hier ganz am Ende. Es geht rechts auf eine wenig befahrene Anliegerstraße. Diese ist halbseitig für den Verkehr gesperrt. Wenig später erreichen wir den Park. Es geht kurvig an den Teehäuschen vorbei und dann scharf rechts. Nach einer langen Gerade unter Bäumen laufen wir wieder rechts zurück. Nochmal rechts und wir gelangen zur Rückseite der Schwimmhalle und nach einer S-Kurve an den Start. So ungefähr 1200m hat die Runde.

Ich mache von Anfang an Tempo. Es ist total flach. Norbert läßt es langsam angehen und von Anja sehe ich noch nichts. Das Feld ist trotz der teilweise schmalen Wege so auseinander, dass man gut laufen kann. Ich mache viele neue Bekanntschaften. Jeder ist locker drauf und zum Schwätzchen bereit. Nach 4 Runden gehe ich was trinken. Hier gibt es so viel Auswahl, dass ich mich nicht entscheiden kann. Allein die vielen Teesorten! Aber es bleibt ja genügend Zeit, alles mal auszuprobieren.

Gedanken an Kilometer und Stunden werden konsequent ausgeblendet. Nach 4 Stunden wechsel ich meine Schuhe. Mir tun die Füße weh. Außerdem mache ich meine erprobte Nudelpause. Die Nudeln mit Tomatensoße hab ich von Zuhause mitgebracht. Eine Bierbank dient als Sitzgelegenheit. Noch netter haben es Conni und Jörg. Vor ihrem Wohnmobil sind die Gartenmöbel aufgebaut. Immer sehe ich dort irgendwelche Bekannten sitzen, im Gespräch vertieft. Es ist der geheime Treffppunkt der Ultragemeinde.

Über Mittag wird es warm. Eine Wanne mit Wasser bietet willkommende Abkühlung.

Irgendwann kommen Nicole und Jochen. Aber nur als Streckenposten. Ich dränge Nicole meinen Fotoapparat auf und so habe ich tolle Bilder gekriegt.

Nach 8 Stunden spüre ich meinen Rücken. Das wird immer schlimmer. Erzwungene gehpausen nehmen die Lust am Lauf. Ich entscheide mich für eine Iboprofen. Nach einer halben Stunde ist der Schmerz weg, und ich kann wieder normal laufen.

Am Abend werden an den unbeleuchteten Streckenabschnitten Lampen aufgestellt.  In der Dämmerung können wir uns langsam an die beginnende Nacht gewöhnen. Die Verpflegungszone mutiert zum Open Air Festival. Eine live Band spielt Rockklassiker. Die Helfer machen es sich gemütlich ohne aber ihre Pflichten den Läufern gegenüber zu vernachlässigen.

Es macht richtig Spaß hier durchzulaufen. Demgegenüber ist es dann wieder schön, in den ruhigen Park einzutauchen.  Um 22 Uhr als der 12 Stundenlauf gestartet wird ist es stockdunkel. Ich empfinde es als großen Vorteil, dass wir die Strecke schon bis ins letzte Detail kennengelernt haben. Die Lampen sind zwar schön und gut, das Licht kommt aber so stark von hinten dass man zeitweise nichts erkennen kann. Wir laufen nach Gefühl, und das geht gut so.

Eine Zeitmessung leuchtet in großen Zahlen. Auf einem Monitor kann man dann die gelaufenen Kilometer ablesen. Es ist schon frustrierend, wie langsam die Kilometeranzahl größer wird. Bei 5 oder 10 Kilometerrunden geht das bedeutend schneller. Der Vorteil einer so kurzen Runde ist aber, dass man immer nur einen Kilometer laufen muss. Das ist ja eigentlich zu jeder Zeit machbar.

Norbert ist jetzt schon eine ganze Weile bei mir. Wir sind alle ziemlich müde und so macht der gemeinsame Weg Sinn. Anja hat ihre angestrebten 100 km geschafft und sich ins Auto gelegt. Die Temperaturen werden gar nicht weniger. Ich will mich noch nicht umziehen. Es Wetterleuchtet; plötzlich fängt es an zu schütten. Wir schaffen es gerade noch in das Gebäude gegenüber unseres Autos. Im Trockenen beobachten wir den tosenen Sturtzbach der immer wieder von Blitzen hell erleuchtet wird.

Als es ruhiger wird machen wir uns auf den Weg. Nach 10 Metern geht es wieder los. Wir sind jetzt patsch nass und frieren. Im Auto ziehen wir uns erst mal um. Der Regen wird nicht schwächer. Und dann sind wir eingeschlafen.

Um 4 Uhr erwache ich. In der Dunkelheit kann ich die Schatten von Läufern erkennen. Es regnet ganz leicht. Norbert hat noch keine Lust, und so mache ich mich alleine auf den Weg. Die Luft ist frisch, und die wenigen Tropfen von oben machen nichts aus. Allerdings ist der Weg jetzt voller Pfützen. Meine Beine sind schwer und mein linkes Knie macht Ärger. Hoffentlich geht das wieder weg.

An der VP ist Notversorgung. Es sind ja auch nur wenig Läufer unterwegs. Ich muss was trinken. Mir reicht irgend ein Tee. Am Auto angekommen erstatte ich Bericht. Norbert kommt wieder mit. Nach ein paar Runden muss er aber wieder aufhören. Er schläft im laufen – das geht gar nicht.

Meine Knieschmerzen werden jetzt ergänzt von Schmerzen in der Achillessehe des anderen Beins. Ich kann nur noch gehen. Aber es ist noch genügend Zeit für meine gewünschten 130 km. Anja ist wieder da,  die Sonne geht auf und die Strecke füllt sich zusehens.

Die Zeitmessung wurde wegen des Regens abgebaut. Sie ist jetzt im Fenster des Walk In. Der Monitor mit den gelaufenen Kilometern und der Plazierung ist dagegen weg. Gabi Gründling mit Lap Top gibt die Kilometer bekannt. Mich packt der Ehrgeiz und ich versuche noch auf 140 zu kommen. Jetzt ist auch Norbert  wieder unterwegs. Bei dem läuft es plötzlich richtig gut und er spult die letzte Stunde nochmal in einer super Zeit herunter.

Bei erreichten 140 Kilometern! stärke ich mich erst mal in Ruhe beim Verpflegungszelt , dann gehe ich zum Auto. Es sind noch 10 Minuten. Das reicht nicht für eine ganze Runde. Also bleibe ich sitzen und feuere die Vorbeikommenden an. Dani kommt nochmal, Gerhard sieht gut aus. Die Läufer, von denen ich denke, dass sie führen laufen noch, oder wieder. Ich habe während der letzten 24 h jeden mal gehen sehen.

Anja und Norbert kommen auch und bleiben bei mir. Und dann ist Schluss. Wir warten noch auf den Vermesser für die Restmeter. Dann geht es unter die wohlverdiente Dusche.

Zum Essen fahren wir mit dem Auto. Hinter dem Akk (Arbeitskreis Kultur und Kommunikation) im alten Stadion sind Bierbänke aufgebaut. Es gibt Nudeln und hinterher eine Quarkspeise. Alle sind furchbar müde und Manchem fallen schon beim Essen die Augen zu.

Dann gibt es die Siegerehrung. Anja und Norbert haben den vierten Platz in ihrer AK belegt und ich wurde dritte. Zufrieden fahren wir nach Hause. Schee wars!

Sieger:

Männer:

1. Platz Günter Marhold 229,568 km

4. Platz AK50 Norbert Fender 150,661 km

Frauen:

1. Platz Antje Krause 212,445 km

3. Platz AK 50 Birgit Fender 140,960 km

4. Platz AK 40 Anja Völler 126,407 km

 

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Birgit am Oktober 11th 2013 in 2013, Ultraläufe

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