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5. Karwendellauf

23.08.2013

Ankunft ins Scharnitz am Gemeindehaus. Bei der Ausgabe der Stratunterlagen ist es ruhig. Wir halten Ausschau nach Günni. Er hat es sich draußen auf einem Bänkchen gemütlich gemacht. Der Hunger treibt uns in das Lokal gegenüber. So läßt es sich leben.

24.08.2013

Sehr früh morgens heißt es aufstehen. Die Wirtin unserer Pension hat schon Frühstück gemacht. Noch 3 weitere Läufer stärken sich für den bevorstehenden Tag. Das Taxi das uns von Seefeld nach Scharnitz an den Start bringen soll wartet schon. Vor 5 Uhr sind wir im Gemeindehaus – und beileibe nicht die Ersten. Aber die Toiletten zumindest bei den Damen sind noch frei.

Kurzes chillen in der Halle; Horst ist auch da. Dann stellen wir uns wieder in die Schlange der Toiletten. Sie ist schon bedenklich angewachsen. 5 Toiletten für 1800 Starter ist doch ein bisschen wenig. die Zeit wird knapp. Noch geschwind die Taschen mit den Wechselkleidern abgegeben – wo ist der Startbereich? Der gesamte Vorplatz des Gemeindehaus ist voll mit bestockten und berucksackten Menschen. Nur langsam wird es hell. Wir kämpfen uns auf die andere Seite des Platzes. Die Läufer sind schon weg. Nein, da vorne haben sie sich unter dem Startbogen versammelt. Nur 1 Drittel des Feldes sind Läufer. Der Grund ist vermutlich, dass beim Laufwettbewerb ein Ausstieg in Eng zum DNF führt, während dies bei den Walkern einfach als die kürzere Strecke gewertet wird. Die Walker hier sind nämlich nicht langsamer als Läufer.

Es geht los. Norbert hat Günni aufgespürt. Schnell sind die beiden meinem Blick entschwunden. Ich konzentriere mich auf den Weg, und darauf keinem in die Hacken zu steigen. Im Ort ist nichts los – kein Wunder bei der Uhrzeit.

Schnell haben wir die stillen Straßen verlassen und laufen bergauf. Es ist optimales Laufwetter. Schnell verschwinden die Jacken in den Rucksäcken. Norbert und ich laufen ohne Rucksack. Meine dünne Windjacke passt in die Westentasche.

Wir verlassen den Wald. Hier ist es schon richtig hell. Das enge Tal des Karwendelbaches liegt kühl und dunstig vor uns. Dahinter türmen sich bereits verheißungsvoll die Berge auf. Der geschotterte Weg läuft wellig. Nur längere Steigungen werden gegangen.

Am Schafstallboden hinter km 10 kommt die erste Labestation. Ich versuche den Holundersaft. Lecker, nicht zu süß. Dabei bleibe ich. Es gibt noch Bannen, Äpfel und Kekse – und eine grandiose Bergkulisse gratis dazu. Die aufgehende Sonne taucht die größeren Gipfel in helles Licht. Da lohnt es sich stehen zu bleiben und zu genießen.

Die Angeralb bietet ein gigantisches Lichtschauspiel: Nebelfetzten hängen über den grünen Wiesen. Die Läufer tauchen in dieses Meer als bunte Punkte ein. Dahinter dann ein sonnenüberflutetes Bergpanorama. Ich kann mich gar nicht sattsehen. Auch umdrehen lohnt sich. Ein ganz neues Bild taucht dann auf, aber nicht minder großartig.

Der Weg steigt nun merklich an. Ein Radler kommt uns entgegen und verkündet die Sonne. Und Punkt 8 Uhr erreichen wir sie dann tatsächlich. Der Weg ist plötzlich in warmes Licht getaucht.

Immer höher geht es hinauf. Noch um eine Kurve, der Wald ist zu Ende. Wir befinden uns auf der Hochalm mit dem Karwendelhaus hoch oben. Glockengeläut liegt in der Luft. Hin und wieder grasen Kühe. Ein kleine Kapelle dient uns als Höhenmarkierung. Zuerst liegt sie weit über uns, dann auf gleicher Höhe und dann haben wir sie unter uns gelassen. In einer Schlange sieht man die Läufer den Berg hinaufziehen. Dann kann ich schon die nächste Labestation erkennen. Noch eine Kurve und wir sind da (km19).

Ich hab hunger und so kommt die Kartoffelsuppe gerade recht. Noch ein Käsebrot und ein Becher Holundersaft. Den Helfer, der seine Äpfel anpreist kann ich auch nicht entteuschen. Ein letzter Blick auf die umliegende Kulisse, dann geht es an den Helfern der Bergwacht vorbei auf der anderen Seite den Berg hinunter.

Ich muss langsam tun – zuviel gegessen. Es ist aber auch so steinig, dass schneller für mich nicht möglich ist, obwohl das Gefälle gut zu laufen wäre. Die anderen haben die gleichen Probleme. Eine Läuferin ist sogar so stark umgeknickt, dass sie nun dem Tal entgegen hinkt. Und das kann dauern. Nach einem guten Stück und mehreren Serpentinen kommen die ersten Bäume. Im Wald geht es nochmal so lang bergab. Irgendo da unten muss der kleine Ahornboden liegen. Wer da genaues wissen will liest bitte meinen Bericht auf m4you:http://www.marathon4you.de/laufberichte/karwendelmarsch/nur-wo-du-zu-fuss-warst-bist-du-auch-wirklich-gewesen/2179/1.

Da wartet die nächste Labestaion. Ich kann immer noch nichts essen und beschränke mich aufs trinken. Es ist schon gut warm geworden, und der wolkenlose Himmel verheißt weiterhin super Wetter.

Es geht über einen kleinen Steg auf einen schmalen Trail über die Wiesen. Wir queren ein riesiges ausgetrocknetes Bachbett. Auf der anderen Seite geht es nun länger Zeit den Berg hinauf. Der Trail ist schmal, aber gut zu laufen. Hier werde ich einige Male überholt.

Nachdem wir auf einen größeren Wanderweg eingebogen sind ist die Ladizalm nicht mehr weit. Ich hab schon wieder hunger, aber die Labestaion steht erst an der Falkenhütte. Das sind vielleicht noch zwei Kilometer, die gehen aber steil bergauf. Kühe und die Bewohner der urigen Almhütten (wohl Feriengäste) beäugen uns neugierig. Hier ist es richtig schön. Grüne Weisen und Hochgebirge, eine perfekte Mischung.

Auch im Läuferfeld herrscht gute Stimmung. Es geht links auf einen gepflegten Wiesentrail. Aus Holz gefertigte Stufen erleichtern den Aufstieg. Unglaublich, wer hat sich hier wohl solche Arbeit gemacht? Mit jedem Schritt machen wir schöne Höhe. Dann hört der Weg auf, eine kleine Felsenkletterei folgt. Es geht über ein Bächlein. Die Falkenhütte ist schon ganz nach. Unsere Labestation liegt im hinteren Teil des Passes mit Sicht auf die bekannte Laliderer Wand. Der imposante Kletterfelsen ist ein würdiger Hintergrund für eine längere Pause.

Wir stärken uns ausgiebig. Hafersuppe und Schinkenbrot, wer kann dazu schon nein sagen?

Auf der anderen Seite geht es dann bergab. Wir verlassen den Hauptweg nach links durch einen Weidezaun und müssen dann auf einem extrem steinigen und dazu noch steilen Weg nach unten. Irgendwann geht es dann tendenziell rechts und flacher weiter. Vor uns liegt ein schmaler Trail, der die Laliderer Wand und die Dreizinkenspitze am Fuße unterhalb eines riesigen Geröllfeldes quert.

Das ist aber gar nicht so schlimm und so kommen wir mit einer Mischung aus Laufen und Gehen schnell vorwärts. Hinten führt der Weg dann wieder steil bergauf auf das Hohljoch. Da halten wir uns aber nicht lang auf und laufen auf der anderen Seite hinunter. Der Weg führt mal steil, mal eben über Geröll nach unten. Wer hier mit seinen Stöcken gut umgehen kann hat eindeutig Vorteile. Ich werde dauernd überholt. Mir ist das zu unwegsam, um in einen flüssigen Laufschritt zu kommen. Wir überqueren mehrere Bächlein. Es geht im Wald nach unten.

Eng liegt unter uns. Der letzte Rest über schmale Wiesenwege ist dann kein Problem mehr. Noch über die Zeitmessung und die Labestationbei km 35 ist erreicht. Ich bin 5.43 Std. unterwegs. Das ist etwas schneller als im letzten Jahr, und ich fühle mich noch relativ fitt.

Hier gibt es Musik und Bierbänke. So verweile ich ein paar Minuten. Die Gemüsesuppe mit viel Gemüse ist heiß. Es gibt Heidelbeersuppe. Die muss ich probieren. Sie sieht nicht lecker aus, schmeckt aber toll fruchtig. Da ist ja Horst. Der ersten Überraschung folgt Freude: er hat mir ein Bier besorgt.

Beschwingt geht es weiter. Es folgt eine lange Gerade bevor der Berg erneut ruft. Auf dem steilen Spazierweg kommen mir einige Samstagsausflügler entgegen. Viele feuern mich an. Die Helfer an der nächsten Labestelle  bei der Hütte des Binsalm Niederlegers sind gut drauf. Wie im letzten Jahr schnorre ich einen Schluck Bier. Diesmal werde ich gleich ins Gespräch verwickelt, so dass such dem Schluck ein halbes Glas wird. Die Jungs sind einfach lustig.

Es geht weiter nach oben. Aus dem Weg wird ein Pfad. Immer höher geht es hinauf. Christop, Läufer aus Innsbruck ist seit Anfang an immer wieder da. Mal kommt er von vorne, mal von hinten – wir laufen  in fast  gleichem Tempo. Er bietet sich an, mir, wegen meiner Höhenangst  vorrauszusteigen. Noch habe ich aber keine Probleme. Wegen des schmalen Weges sind wir sowiso seit einiger Zeit in einer Schlange unterwegs die sich von hinten immer mehr verlängert. Überholen geht hier schlecht.

Auf einmal trennen sich meine Vorderleute. Ich entscheide mich spontan für den rechten, direkten Weg. Das ist ein Fehler. Bei näherer Betrachtung scheint es sich um ein ausgetrocknetes Bachbett zu handeln, das auf direktem, steilen Weg nach oben geht. Augen zu und durch! Ich bin froh, als Chrisop wieder vor mir und der Weg wieder normal verläuft. Jetzt ist aber auch der normale Weg leicht exponiert in den Hang gebaut. Ich hefte meine Augen auf Christops Schuhe.

Irgendwann hören wir Stimmen. die Helfer der Bergrettung stehen oben am zugleich höchsten Punkte der Strecke 1903 m. Der Bimssattel ist erreicht. Wir verschnaufen kurz, dann geht es zum letzten Abstieg. Steil läuft der Weg über eine grüne Almwiese mit Aussicht auf hohe Felswände die noch zwischen uns und dem Achensee liegen. Da müssen wir aber nur drum herum, nicht hinüber.

Unten wartet schon die Labestation auf dem Gramai Hochleger. Nochmal stärken, es geht weiter bergab. Zum Laufen ist es mir mal wieder zu steil. So muss ich die folgenden folgenden Kilometer im Schneckentempo bergab kriechen. Wir sind wieder im Wald, die Oberschenkel brennen vom ständigen bremsen.

Die nächste Labestation an der Gramailam führt uns in die Zivilisation zurück. Hier ist immer viel Ausflugsverkehr, weil die Hütte mit dem Auto erreichbar ist. Unser Weg geht über den gut gefüllten Parkplatz und dann rechts der Straße auf den Wanderweg. Christoph und ich beschließen die letzten 7 km gemeinsam zu meistern. Es geht leicht bergab und der Weg ist gut zu laufen. Wir überholen nun endlich mal ein paar Walker.

Einen Viehzaun überklettern wir mit steifen Beinen und unter dem Spott einer wandernden Familie. Kurz vor der letzten Labestation muss Chrisoph einen Stein aus dem Schuh holen. Dadurch bekomme ich Vorsprung. Anhalten geht bei mir nicht. Kurz vor Pertisau winkt ein Zielbogen. Leider ist das noch nicht das Ziel, gibt aber nochmal Motivation für den letzten Kilometer der im Ort zu laufen ist.

Ein Zielkorridor bringt mich in den Zielbereich. Hier wartet Norbert mit einem Erdinger. Auch Günni kommt zum gratulieren. Es gibt nochmal das volle Verpflegungprogramm. Wir holen die Wechselkleider und die Finishertasche aus der Halle um die Ecke. Ein Shuttlebus bringt uns wieder nach Seefeld.

Mir hat es super gut gefallen. Das Wetter war optimal, die Strecke ist toll. Leider sind die Wege wegen der Steine nicht so einfach zu laufen. Dafür hat man Natur pur mit leckerster Verpflegung. Die Wege sind gerade an den Abstiegen für mich zu steil zum laufen. Der eine Anstieg zum Bimssatte ist für meine Höhenangst gerade noch machbar. Bei schlechtem Wetter ist das aber grenzlagig.

Sieger:

Männer:

1. Platz Markus Stock 4:26,53 Std.

27. Platz AK50 Norbert Fender 6:48,26 Std

Frauen:

1. Platz Christin Berglund 5:19,53 Std

15 Platz AK 50 Birgit Fender 9:02,35 Std

 

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Birgit am Oktober 2nd 2013 in 2013, Ultraläufe

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