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7. Gletschermarathon, Pitztal

01.07.2012

Gestern hatte die tiroler Stadt Imst einen neuen Hitzerekord: 36 °C. Aus dem klimatisierten Auto heraus läuft man gegen eine Hitzewand. Mir tun die Helferinnen leid, die im Zelt beim Sportzentrum ausharren um den Läufern ihre Startunterlagen auszuhändigen. Zur Startnummer bekommen wir jeder eine hochwertige Sporttasche, die mit allerlei Kleinigkeiten gefüllt ist.

Dann sehen wir uns mal die Strecke an. Die Gegend ist uns von vielen Skiausfahrten bekannt. Es geht das Pitztal hinauf. Insgesamt 1300 hm macht die Strecke. Wir werden das Morgen hinunter laufen.

In Hairlach, das ist so ziemlich auf halber Strecke, hat der Skiclub Renningen sein Domizil, das Renninger Haus. Dort werden wir von Britta und Jörg schon erwartet. Es hat um 18 Uhr immer noch 28 °C. Für diesen Ort ist das ungewöhnlich warm. Wir verbringen eine gemütlichen Abend draußen. Es gibt Läuferessen: Spaghetti Bolognese, mit Tomate Mozzarella. Auf die Wassermelone verzichten wir zu Gunsten eine Packung Schokokekse.

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Am nächsten Morgen müssen wir früh raus. Um 6.45 Uhr fährt der Shuttlebus ab Imst zum Start. Auf dem Freibadgelände hat es zu dieser Stunde massig Parkplätze. Im Bus herrscht gute Laune. Eine dreiviertel Stunde später ist der Bus in Mandarfen. Auf dem zentralen Platz ist der Startbogen schon aufgebaut. Hier ist es ganz schön kalt. Auf 1600m Höhe hat es ca. 14 °C. Die Jacke ist im Koffer in Imst. Gut, dass die Toiletten der umliegenden Hotels benutzt werden können. Da ist es wenigstens warm.

Das Wetter ist prächtig. Noch liegt das Tal im Schatten, aber auf die nahen Berggipfeln scheint schon die Sonne. Wir treffen Christoph und Anton, der schon Bilder macht.

Fünf Minuten vor dem Start ist noch keiner unter dem Startbogen. Wir gehen näher, um dem Interview mit dem Vorjahressieger Jonathan Koilegei aus Kenia zu lauschen. Er will den Streckenrekord von 2:14:00 brechen.

Norbert, Christoph und ich reihen uns hinten in die inzwischen knapp 200 aufgestellten Läufer ein. Eine richtige Kanone schießt einen Salut zum Start. Zuerst mal geht es bergauf. Nach ein paar Metern spüre ich schon meine Beine. Ich muss gehen. Die beiden Männer machen sich davon. Als so ziemlich Letzte erreiche ich die Talstation des Pitztaler Gletscherexpress. Eine lange Linkskurve später geht es endlich bergab.

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Links steht eine Herde Schafe, die mit lautem Mäh die Läufer anfeuert. Da lassen sich die Kühe auf der rechten Seite nicht lumpen. Auch sie stellen sich an den Zaun. Ca. 100 m weiter sind wir wieder auf Höhe des Starts. Hier stehen Zuschauer, meist Angehörige und feuern uns an.

Langsam kann ich den Einen oder Anderen überholen. Da vorne ist schon die Diskothek Hexenkessel. Eine Institution auf allen Skiausfahrten.

Erstaunlich schnell erreichen wir die erste VP bei km 4,9 in Plangeroß. Hier ist zur Sicherheit kühlen angesagt. Neben Wasser in Bechern gibt es auch Wannen mit Wasser gefüllt.

Nun laufen wir in einen unbeleuchteten Tunnel. Durch die Sonnenbrille ist die Sicht nicht besonders, und ich hoffe dass kein Hindernis auf der Straße liegt. Nach dem nächsten Tunnel kommt schon die zweite VP vor der Feuerwache in Neurur. Die bieten jetzt auch Iso. Ich nehme vorbeugend Salz ins Wasser. Noch liegt die Strecke im Schatten und die Temperatur ist kein Problem. Ich bin ganz schön flott. Mein Garmin zeigt einen Schnitt von 5:38/km. Ich merke zwar, dass ich dieses Tempo nicht gewöhnt bin, aber was soll ’s.

Die Strecke ist einfach schön. Grüne Wiesen reichen bis zum Fahrbahnrand. In den letzten Tagen ist fleißig gemäht worden. Wo das Gras noch steht bietet sich ein Meer von Wildblumen, das man bei uns so selten sieht. Die Pitze ist zur Zeit voll von Schmelzwasser. Ungewohnt stürmisch fließt sie in ihrem Bett, manchmal direkt neben der Straße. Nach jeder Kurve bietet sich uns ein anderes Bild.

In den wenigen Ortschaften stehen meist kleine Grüppchen von Zuschauern, die die Läufer wie bei einem Stadtlauf anfeuern. Das ist ungemein motivierend. Vor allem, weil es auch echt gut zu laufen geht. Das kleinere oder größere Gefälle lässt die Kilometer nur so vorbeiziehen.

Die Helfer an den VPs sind auch wahnsinnig zuvorkommend. Das Feld ist recht weit auseinander gezogen, so dass man sich bequem an den Tischen bedienen könnte. Aber schon 5 Meter vor der VP stehen die Helfer mit Bechern, die man bloß greifen muss.

Da vorne ist schon Hairlach km 19 mit dem Renninger Haus auf halber Höhe. Es wir warm und meine Beine schwer. Ich hab immer noch einen Schnitt von 5:48/km. Noch ein Tunnel. Der Schatten tut jetzt gut. Ein bisschen unheimlich sind die Autos. Da die Strecke nicht gesperrt ist, muss man auf die Rücksicht der Autofahrer bauen. Das hat bis jetzt gut geklappt. Ich glaub aber, dass in vielen Autos Angehörige sitzen, die langsam fahren um Ihren Läufer nicht zu verpassen und ihn nochmal anzufeuern.

In dem kleinen Ort Wiese (kurz vor dem noch kleineren Ort Wiesle) ist einiges los. Schon von weitem höre ich einen Sprecher. Es wird jeder Läufer vorgestellt und seine Herkunft genannt. Das ist eine prima Abwechslung und man bekommt wieder so ein Citylauf-Feeling. In Serpentinen laufen wir immer weiter bergab.

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Bei km 24 kommt eine Steigung. Es ist jetzt schon sehr warm und wir gehen in der prallen Sonne. Eine imposante Felswand zur rechten und um die Kurve herum erreichen wir den Ort Schön. Hier gibt es Melonen und wieder einen Sprecher. Der ist richtig gut drauf und sagt zu jedem noch ein persönliches Wort. Nach dem Ortsausgang geht es die gerade hochgelaufenen Höhenmeter wieder runter.

Ich bin ganz schön platt. Eine endlose Ebene macht die Beine noch müder. Gott sei dank reichen die Bäume hier bis zur Straße und geben öfters mal Schatten.

Leider zieht sich der Wald bald zurück. Eine Rechtskurve eröffnet den Blick auf den Ort Wenns. Leider liegt er auf einer Anhöhe und die Straße dorthin geht nicht nur langgezogen bergauf sondern liegt auch in der sengenden Sonne. Da hilft nur langsam tun. Ein Blick zurück gibt ein grandioses Panorama frei und lässt erahnen, was wir schon hinter uns haben. Ich schaue auf die Uhr; 30 gelaufene Kilometer in genau 3 Stunden. Super!

Am Ortseingang hat die Feuerwehr eine Dusche über die Straße gebaut. Ich nutze sie gerne. In der Ortsmitte ist richtig was los. Hier war der Start des Halbmarathon. Deshalb gibt es auch einen Startbogen und eine Zeitmessmatte. Und es gibt Cola. Ich will gerade nach einer ausgiebigen Stärkung über die Zeitmessung – da überholt mich Desiree in flottem Schritt.

Wir werden uns die nächsten Kilometer immer wieder überholen und mit netten Worten motivieren.

Es geht wieder bergab. Nur Schatten ist jetzt Mangelware. Zeitweise ist es so windstill, dass der Asphalt die Wärme gnadenlos reflektieren kann. Man wird buchstäblich von oben und unten gegrillt. Die Wasserkühlung (Mütze in die Wanne und auf den Kopf setzen) klappt nur noch wenige Minuten. In einigen Gärten haben die Besitzer Wasserschläuche zur Kühlung an die Laufstrecke gehängt. Das ist Klasse.

Seit einiger Zeit hat auch der Autoverkehr deutlich zugenommen. Die Fahrer sind rücksichtsvoll aber es schmälert den Laufgenuß doch erheblich. Die Streckenposten, die an jeder Fahrbahneinmündung sitzen, haben auch einiges zu tun. Sie regeln den Verkehr, dass jeder Läufer ungehindert passieren kann. Hier sind unzählige Helfer am Werk.

In Arzl, bei km 36, gibt es wieder einen Sprecher und Zuschauer – und „Red Bull“. Das hab ich noch nie getrunken. Schmeckt gar nicht schlecht. „Beflügelt“ laufe ich weiter.

Endlich kommt die hohe Brücke über den Inn vor Imst. Vor Müdigkeit verpasse ich die Einmündung des Fußgängerweges. Zum Glück kommen gerade nicht so viel Autos. Vorne sehe ich den großen Kreisverkehr. Meinem Gefühl nach müssen wir direkt links einbiegen. 4 Feuerwehrleute und ein Polizist halten schon den kompletten Kreisverkehr auf. Ich gebe Handzeichen und überquere die Fahrbahn bereits auf der Brücke. Ungehindert kann ich den stark befahrenen Kreisverkehr in umgekehrter, weil direkter Richtung überqueren.

Ein kurzes Stück bergab, dann rechts. Schon von Weitem sehe ich das Zelt vom Gasthof Neuner und die davor aufgebaute VP (km 39,5). Es gibt nochmal Red Bull.

Jetzt wird es richtig zäh. Ein riesiges Sägewerk sorgt kaum für Abwechslung. Hier ist kein Mensch. Große Industrieanlagen fördern auch nicht gerade die Läufermoral. Ein Läufer, den ich auf den ersten Kilometern überholt habe, zieht jetzt an mir vorbei. Tolle Leistung! Ich muss jetzt gehen. Mein Kreislauf und mein Magen streiken. Mittlerweile sind Wolken aufgezogen. An den Temperaturen ändert das aber nichts. Ich schätze mal, dass wir die 35 °C im Schatten geknackt haben.

Die letzte VP – km 41,6. Ich kann wieder laufen. Aber nur ein kurzes Stück. Desiree zieht ein letztes Mal an mir vorbei. Jetzt kommt die Steigung vom Freibad zum Sportgelände. Viele Leute kommen mir entgegen. Jeder feuert mich an. Oben steht Anton und macht Bilder. Ich will sterben. Das wäre jetzt ein guter Zeitpunkt. Aber Anton baut mich nochmal auf und so schaffe ich den Zielkanal laufend.

Norbert erwartet mich mit einem frischen Erdinger (alkoholfrei). Im gemütlichen Zielbereich sind Bierbänke und -tische unter Sonnenschirmen verteilt. Außerdem gibt es ein aufblasbares Zelt in dem Matten zum Relaxen einladen. Da drin ist es angenehm kühl. Ich brauche ewig bis ich wieder einigermaßen zu Atem komme. Als Zielverpflegung gibt es neben diversen Obst auch Kuchen. Obwohl ich echt spät dran bin gibt es dreierlei: Nußkuchen, Linzer Torte und Aprikosen-Quarkschnitten. Genau das, was ich jetzt brauche. Außerdem wird von Marketingdamen der bereits erwähnten Getränkemarke mit den blau-silbernen Dosen auch an relaxende Läufer Nachschub ausgeteilt.

Nach der Dusche gehen wir ins Catering-Zelt. Dort bekommen wir für den Gutschein aus den Startunterlagen einen leckeren Salatteller mit Putenstreifen. Die alternativen Nudeln sehen zwar auch lecker aus. Aber bei dem Geruch der Soße ist mir gar nicht wohl. Mein Magen ist immer noch empfindlich.

Die Siegerehrung ist in vollem Gange, als der letzte Läufer in den Zielkanal einbiegt. Der Sprecher fordert alle Anwesenden auf ihn nochmal tüchtig anzufeuern. Und so hat er wahrscheinlich mehr Applaus als der Sieger, Jonathan Koilegei, der den Streckenrekord diesmal doch nicht angreifen konnte.

Sieger:

Männer:

1. Platz: Jonathan Koliegei  2:15:55

12. Platz AK 50 Norbert Fender  3:40:46

Frauen:

1. Platz Reka Batai 2:47:13

7. Platz AK 45 Birgit Fender 4:35:21

2 Kommentare »

Birgit am Juli 2nd 2012 in 2012, Marathons

2 Kommentare zu “7. Gletschermarathon, Pitztal”

  1. Desiree schrieb am 02 Jul 2012 um 21:30 #

    Hallo,
    freut mich, dass ich Dich motivieren konnte! Es war mein erster Marathon und ich wollte auch einfach nur ankommen ohne einmal zu gehen ;-)!

    Ein sehr schöner Bericht und nette Fotos!

    Liebe Grüße und alles Gute für die nächsten Ultra’s ;-),

    Desiree

  2. Kati 2 schrieb am 03 Jul 2012 um 08:38 #

    und ich war nicht dabei *jammer*jaul*

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