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36.Internationaler Bienwaldmarathon, Kandel

13.03.2011

Für heute habe ich ein Ziel: unter 4:30

Mein Plan: die ersten 30 Kilometer im 6er Schnitt, und dann mal sehen.

Dazu muss ich erklären, dass der Bienwald als flache Strecke für Bestzeiten  prädestiniert ist – schreiben jedenfalls alle.

Außerdem fühle ich mich gut, hab sogar schon einen langen Lauf (50 km vor 6 Wochen zählen ja wohl), und die Temperaturen mit angesagten 6-14 °C liegen voll in meiner Wohlfühlzone.

Da Kandel in 50 Min zu erreichen ist, können wir bis 6 Uhr ausschlafen.

Pünktlich um 8.20 Uhr ergattern wir einen der letzten Parkplätze vor der Bienwaldhalle. Dank des Planes aus dem Internet und der letzten Infomail, haben wir keine Probleme uns vorort zurecht zu finden. Die Startunterlagen sind schnell geholt,  das Funktionsshirt auch, die Toiletten liegen auf dem Weg. Bei den Herren gibt es jetzt allerdings schon die ersten Staus.

Bei der Toilette treffen wir Kathi aus Leonberg. Sie kommt auf ein Schwätzchen mit ins Auto, was sich als Fehler erweisen sollte: schon nach kurzem Aufenthalt hat sie eine schlimme allergische Reaktion auf die „pferdehaltige“  Luft bei  uns im Auto. Hoffentlich war das  nicht Schuld, dass Du Deine Zielzeit nicht erreicht hast.

Noch ein Wort zum Wetter. Nach dem langen Winter fällt es uns schwer abzuschätzen, welche Kleidung für den Lauf die richtige ist. 7 °C am Morgen spricht eher für lang. 14 °C am Nachmittag eher für kurz. Wir entscheiden uns für die Mitte : Norbert trägt zur kurzen Hose langärmlig und ich zur langen Hose ein kurzärmlig.

Der Startbereich  direkt zwischen Bienwaldhalle und Stadion ist bereits gut gefüllt. Da Norbert die ersten 3 km mit mir laufen will, reihen wir uns in die hintere Zone der über 4 Stundenläufer ein. Dort ist die Stimmung locker, und durch die Menschenmassen finde ich es auch nicht mehr so kalt. Da der Marathon zusammen mit dem Halbmarathon gestartet wird, sind fast 1700 Läufer am Start. Pünktlich um 10°° Uhr ertönt der Startschuss. Im Vorbeilaufen sehe ich Kurt Beck. Keine Angst, er läuft nicht mit, hat aber wohl den Startschuss gegeben.

Im Pulk geht es durch das morgendliche Kandel. Die Zuschauermenge hält sich in Grenzen, nur an wenigen Fenstern und Vorgärten einige Interessierte. Das Tempo entspricht meinem angepeilten 6er Schnitt. Leider wollen meine Beine nicht so wie ich – sie sind seltsam schwer.

Nach 3 km sagt Norbert Lebewohl und entschwindet nach vorn.

Die Strecke folgt der B427 nach Minefeld. Dann geht es auf einen etwas schmaleren Teerweg. Das Feld hat sich nun schon auseinander gezogen, so dass man locker sein Tempo laufen kann. Wieder auf der breiten Straße kommt plötzlich ein Polizeimotorrad entgegen: mit dem  Führenden des Halbmarathons. Dann lange niemand, doch da kommen noch mehr, zuerst einzeln dann in immer größeren Gruppen. Ich versuche mich an den Gesichtern festzusaugen. Bei den Schnellen keine Reaktion, erst als die Langsameren (die sind immer noch viel schneller als ich) kommen, gibt es ein  Lächeln, oder Winken, manchmal sogar ein aufmunterndes Wort zurück. Durch das Beobachten der Entgegenkommenden gelingt es mir mein Tempo ohne viel Mühen aufrecht zu erhalten. Ich hab die ganze Zeit den Eindruck, dass wir bergab laufen. Das heißt, dass der Rückweg bergauf geht. Keine sehr rosigen Aussichten. Bei km 12 ist der Wendepunkt der Halbmarathonis. Jetzt wird es ruhiger.

Ca 2 km weiter kommen schon die  schnelleren Marathonis entgegen. Die Führenden sind aber schon im Wald verschwunden. Ich hoffe, dass ich Kathi und Norbert noch nicht verpasst habe. Nein, da sehe ich Norbert von weitem, und mache schon den Fotoapparat startklar. Endlich hab ich mal ein Bild von ihm auf der Strecke. Kurze Zeit später kommt auch Kathi. Sie scheint nicht mehr so gut drauf zu sein, was bei Ihrer Leistungsklasse noch nicht viel heißen muss. Vor dem Start hab ich Michael Weber vom 100Marathonclub getroffen. Schon eine Weile sehe ich sein auffälliges gelbes Shirt vor mir. Bei den Guggenmusikern von Schaidt macht er Fotostop und so kann ich zu ihm auflaufen. Die folgenden Kilometer gestalten sich extrem kurzweilig. Bettina (sie hat die Bilder von mir gemacht) und Michl vertreiben mir die Zeit mit Anekdoten aus früheren Laufabenteuern. Michl macht pflichtgemäß Bilder von seinen 100Marathon Kollegen, von denen einige kurz hinter uns sind. Der erste Wendepunkt ist genommen und beim Zurücklaufen sehen wir, dass doch noch einige andere hinter uns sind.

Die Guggenmusiker sind nun zum 2. Mal vorbei, und auch wir dürfen nun auf dem schmalen Weg in den Wald laufen. Wir sind ungefähr bei km 20 und nun kommen dauernd Marathonis entgegen. Ich halte Ausschau nach Norbert. Vielleicht gelingt mir ja nochmal ein Bild. Da sehe ich ihn schon wieder von weitem. Er bindet sich den Schuh. Wir nehmen uns Zeit für einen kurzen Plausch. Er erzählt, dass er wahrscheinlich eine Blase am Fuß kriegt. Kathi hat natürlich keine Zeit für eine Pause, befürchtet aber, dass ich sie bald eingeholt habe. Keine Panik, sie ist gut 4 km vor mir.  Der 2. Wendepunkt ist erreicht, irgendwo bei km 26. Bis jetzt bin ich mit meinem 6er Schnitt einigermaßen im Soll. Jetzt wird die Luft dünn. Bettina ist mir schon enteilt, und auch Michael ist einen Tick schneller und entfernt sich zusehends. Ich gebe mein Bestes. Wenigstens bis km 30 will ich durchhalten.

Bei 28 bin ich ganz allein. Entgegen kommt keiner mehr, vor mit in der Ferne zwei, hinter mir sicher welche auf Abstand. Plötzlich komme ich zur Ruhe. Ich genieße den Lauf. Ich schalte ab. Mir wird klar, dass nun der eigentliche Marathon beginnt. Der Kopf wird frei, es ist wie Schweben. Darum werde ich auch weiter Marathon laufen. Nur bei wirklich langen Läufen habe ich dieses Gefühl.

Irgendwann werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Ich werde von einer Gruppe überholt. Das wird wohl der 4:30 Pacer sein. Wir laufen wieder auf der großen Straße, und hier muss irgendwo der Halbmarathonwendepunkt gewesen sein. Also ist mein 4:30 Ziel nicht realisierbar. Bei der Verpflegungsstation km 33 fällt die Gruppe ein mit lauten „Cola, Cola“ Rufen. Das ist eine super Idee. Da schließe ich mich gleich an und mische ein Tütchen Salz unters Cola, das hat sich schon beim Allgäu Panorama bewährt.

Die Gruppe entfernt sich. Irgendwie ist die Strecke belebter als vorhin. Auf der langen Geraden kann ich eine richtige Läuferschlange ausmachen. Und bei mir geht´s richtig gut. Ich laufe wohl einen Wimpernschlag schneller als die, und überhole langsam aber stetig Läufer für Läufer. Bei km 36 werde aber ich überholt. Eine Läuferin mit Luftballon, begleitet von 2 Männern. Das ist nun wirklich die 4:30 Pacerin. Das könnte aber für mich reichen. Ich laufe in meinem Tempo weiter. Nur keinen Krampf riskieren. Und oh Wunder, der Luftballon bleibt in konstanter Entfernung ca. 100 Meter vor mir.

Es geht wieder auf die kleine Teerstrasse. Hinter mir höre ich einen Läufer. Mit einem Seitenblick erkenne ich keinen derer die ich überholt habe. Der muss irgendwo von hinten gekommen sein. Eine ganze Weile laufen wir zusammen, dann überholt er mich. Gut, dann kann ich mich ziehen lassen. Kurz vor der 40 km Markierung bleibt mein Zugpferd plötzlich stehen und fasst sich ans Bein. Mist – er hat einen Krampf. Am liebsten würde ich stehen bleiben und ihm helfen. Aber da muss jeder selber durch.

Der Luftballon ist immer noch da. Dazwischen zwei Männer, die mich schon vor längerem überholt hatten. Ich laufe auf und will mit ihnen weiterlaufen, aber die sind mir tatsächlich zu langsam. Auf der Uhr sehe ich, dass ich selbst mit 7 Minuten pro km unter 4:30 bleiben werde. Bloss jetzt nicht übertreiben. Aber irgendwie wollen die zwei nicht mit. Ich sehe Michl – auch er kann nicht weiter. Magenprobleme. Da km 41.

Seit einiger Zeit kann ich Stadiondurchsagen hören. Leider sehe ich weit und breit keine Sportstätten. So weit kann das doch nicht mehr sein. Jetzt überholt mich noch eine Frau. Hochachtung. Ich gehe nicht mit, nur nichts mehr riskieren. Ich denke an Rodgau, wo ich 300 m vor dem Marathonmesspunkt wegen eines Krampfes nicht weiter konnte. Jetzt sehe ich das Stadion. Einmal entlang. Jetzt verstehe ich die Ansagen. Bettina läuft gerade ins Ziel. Kathi steht da an der Straße und feuert mich an. Rein ins Stadion. Norbert nimmt mir den Fotoapparat ab. 300 m Aschenbahn. Ziel. Die Uhr zeigt 4:29,32 Brutto.

Im Ziel hängt Norbert mir eine Medaille um. Die kann man für 3,00 Euro erwerben. Der Zielbereich ist um diese Zeit schon leer. Dominiert wird das ganze vom Erdinger Zelt, die hier ihr leckeres Alkoholfreies ausschenken. Etwas abseits gibt´s auch wirklich empfehlenswertes Iso, Bananen- und Orangenstückchen.

Erwähnenswert finde ich die Verpflegung auf der Strecke. Etwa alle 3 km gab es Iso, Wasser, Tee, Orangenstückchen und Banane. Die Betreuer an den Ständen waren durchweg aufmerksam und bemüht, den Ablauf der Verpflegung übersichtlich zu gestalten. Vor allem den Kindern und Jugendlichen war anzusehen, dass sie Spaß an ihrer Arbeit hatten. Ab km 33 wurde zusätzlich Cola angeboten.

Das Wetter während des Laufs war durchwachsen. Den gefürchteten Wind, der auf solch einer flachen Strecke nicht ausbleibt, habe ich nicht als störend empfunden. Es hat öfters genieselt und während der letzten halben Stunde sogar geregnet. Für mich eine willkommene Abkühlung. Unsere Kleidung war somit auch o.k.

Nachdem wir uns noch kurz mit Bettina unterhalten und auch Kathi auf dem Nachhauseweg getroffen haben, machen wir uns auf den kurzen Weg zur Bienwaldhalle. Dort gibt es aus Jubiläumsgründen für jeden Finisher eine Flasche Wein.

Ergebnisse:

Männer:

Florian Neuschwander, Platz 1:  2:28,17

Norbert Fender, AK 50 Platz 39:  3:35,26

Frauen:

Eve Rauschenberg, Platz 1: 2:49,34

Birgit Fender, AK 45 Platz 11: 4:27,27

1 Kommentar »

Birgit am März 14th 2011 in 2011, Marathons

1 Kommentar zu “36.Internationaler Bienwaldmarathon, Kandel”

  1. Kati schrieb am 14 Mrz 2011 um 20:29 #

    was für ein netter Bericht 😉 ich danke Dir für die Blumen, das Wort „Leistungsklasse“ hat echt noch keiner auf mich angewendet *kicher*. Nein keine Sorge, das war nur ein ganz leichtes allergenes Anfangs-Jucken… Du müsstest mich mal mit ner richtigen Allergie sehen.. Mein Bericht ist auch schon fertig. Sehr praktisch, dass Du mich nicht fotografiert hast, das Elend will echt keiner sehen. Der nächste wird besser. Und mit einem 6er-Schnitt läufst Du übrigens dann 4:16. Grüßles Kati

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