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12. Rodgau – Ultramarathon

29.01.2011

Die Frage ist: Kann man ohne Vorbereitung 50 km laufen?

Nach dem 6 Stunden Lauf in Troisdorf am 13. November 2010 haben wir den Trainingsumfang zurückgeschraubt. Erholung war angesagt, da wir Mitte Dezember zum Siebengebirgsmarathon wollten. Der ist ja leider wegen des vielen Schnees ausgefallen, und somit war unser einziger langer Lauf gecancelled. Wir laufen zwar Sonntags immer 20 km, das gilt aber eigentlich nicht als langer Lauf. Für den Silversterlauf und den Dreikönigslauf habe ich ein bisschen Tempo trainiert, soweit das bei dem vielen Schnee überhaupt möglich war.

Dann noch schnell anstatt der Zwanziger zwei 25 km Läufe im Januar, und das war´s.

Da ich in Troisdorf die 50 km in knappen 6 Stunden gelaufen bin, hoffe ich, das hier wieder hinzubekommen. Also siebener Schnitt. Norbert hat sich trotz des Trainingsmankos (er war auch noch die letzte Woche Skifahren) für eine Zeit von 5 Stunden ausgesprochen.

Abfahrt 6.15, Rutesheim. Die Fahrt nach Rodgau gestaltet sich extrem kurzweilig. Wir hatten beim Dreikönigslauf Günter vom FLBW getroffen und spontan vereinbart zusammen in unserem VW Bus nach Rodgau zu fahren. Mit von der Partie waren auch Marlies und Kathi. Außerdem hatten wir 3 „Mädels“ uns als Frauenteam für den FLBW angemeldet.

Um 8.36 im beschaulichen  Rodgau angekommen führt uns das Navi zielsicher zum Parkplatz. Günter kennt sich aus, so dass wir in nullkommanix die Startnummer bekommen. Obwohl die Startgebühr von allen bar zu bezahlen ist, kommt es zu keinem Stau.  Noch kurz die Toilette besucht (es scheint hier im Tennisheim nur eine funktionierende Damentoilette zu geben) und zurück zum Auto. Günter und Kathi gehen noch in die propenvolle Sporthalle, wo der allgemeine Treffpunkt zu sein scheint.

Nachdem nun alle entschieden haben, was sie anziehen und an Wechselklamotten zum Start mitnehmen, schließen wir uns der allgemeinen Wanderung zum Startbereich an.

Das Wetter ist wie angekündigt: kalt (man spricht von minus 5 °) und sonnig.  Gutgelaunt biegen wir zum näherkommenden Start auf die Laufstrecke ein. Wir können nun auch die Lautsprecherdurchsage verstehen. Wie nur noch 3 Minuten bis zum Start?!?! Tatsächlich Norbert schaut auf die Uhr. Wir haben  die ganze Zeit vertrödelt. Das wird nun durch Hektik wettgemacht. Gottseidank ist der Startbereich übersichtlich aufgebaut, so dass wir die Wechselklamotten schnell verstaut haben und sogar noch Zeit zum Fotos machen und viel Glück wünschen bleibt.

Norbert hatte sich vorgenommen die erste der 5 km Runden mit mir zu laufen. Die anderen haben sich natürlich weiter vorne eingereiht. Pünktlich um 10 Uhr geht es los. Wir warten, bis die eher Langsameren bei uns vorbeikommen. Vom ersten Meter an ist es toll zu laufen. Es geht ein Stück durch den Wald, so wie wir auch gekommen sind. Dann scharf rechts am Waldrand entlang. Bei 0,8 km kommt die Verpflegungstelle. Dann übers Feld, wieder in den Wald. An der Wendepunktstrecke sehen wir, wie viele Läufer noch hinter uns sind, obwohl wir uns eigentlich auch hinten eingereiht hatten. Wieder am Waldrand und wieder übers Feld, wieder in den Wald und schon wieder im Ziel. Norbert ist total erstaunt wie schnell das ging. Erst auf der großen Zielzeituhr sehe ich,  dass wir mit 6 min/km unterwegs waren. Das ist deutlich schneller als geplant. Aber nun verabschiedet sich Norbert, und ich kann ja ab jetzt mein Tempo laufen.

Die Verpflegung lasse ich liegen, das Wetter ist herrlich, die Strecke kurzweilig, und topfeben. Wieder im Ziel sehe ich dass ich die zweite Runde immer noch im gleichen Tempo gelaufen bin. Jetzt aber zur Verpflegung. Die Helfer reichen Tee, Cola und Wasser. Ich entscheide mich für einen Becher warmen Tee mit Salz, das ich immer dabeihabe.   Irgendwann kommt das Fahrrad mit dem Führenden vorbei. Das Überholen ist echt schwierig, da das Feld noch ziemlich dicht ist, und die Wegränder durch den Frost extrem uneben sind. Aber der hat auch ein Wahnsinnstempo drauf. Ich bin immer noch mit 6 Min unterwegs. In der 3. Runde läuft Günter zu mir auf. Wir halten ein kleines Schwätzchen,und ich lass mich ein bisschen ziehen. Er macht noch Bilder (hier hast Du bestimmt die Zeit verloren, die Dir nachher für die 4Stunden fehlen) und „geht“ dann seiner Wege.

5 Runden sind geschafft. Wie, das war ja schon die Hälfte. Ich rechne mehrmals, aber es müssen 25 km gewesen sein. Ich kann nicht glauben, dass ich immer noch so gut drauf bin. Aber jetzt kommen ja auch erst die 30, und dann die 40. Da wird es richtig hart. Im Moment laufe ich aber noch ganz beschwingt und fasziniert von dem abwechslungsreichen Rennen. Normalerweise sehe ich beim Marathon immer die gleiche Leute. Aber hier bekommt man auch die  Schnellen zu Gesicht, viele  sogar mermals  und ich lasse mich öfters einfach mitziehen. Normalerweise müsste Günter in der 6. nochmals vorbeikommen, und auch Marlies, Kathi und Norbert sollten das schaffen. Ich versuche das noch eine Weile zu verhindern. Auf der Strecke ist auch eine Marathonzeitmessung. Jedesmal wenn ich diese passiere rechne ich wie oft ich noch drüber muss um den Marathon zu haben. Irgendwie dachte ich in der 8. müsste es soweit sein. Aber bald muss ich feststellen, dass es erst in der neunten soweit sein wird. Ist ja aber auch egal.

Inzwischen werde ich müde. Die Verpflegung nutze ich jetzt immer für ein kleines Päuschen. Ich hab jetzt auch das ISO entdeckt, und ein Läufer zeigt mir wie er Banane in Salz eingetunkt, lecker. Einmal versuche ich einen Prinzenrollenkeks. Für den brauche ich aber fast eine Minute, das ist mir dann doch zu lang. Ich spreche eine Läuferin an, weil ich etwas Abwechslung suche. Sie sagt aber, dass sie mit den noch fälligen 30 km kämpft und kein Gespräch führen kann. Ich will ihr sagen, dass es doch keine 25 mehr sind. Da fällt mir ein, dass sie vielleicht in einer anderen Runde ist. Sollte ich wirklich jemanden überrundet haben? Beschwingt laufe ich weiter.

Mehrmals bin ich schon an Klaus Duwe von maratho4you vorbeigelaufen, der aber nur Bilder macht. Ich bin so so gut drauf, dass ich ihn sogar anspreche, und er gibt einen launigen Spruch zurück.

Kurz vor km 35 überholt mich Norbert und ruft mir zu, dass es vielleicht mit den 4:30 klappen kann. Häh, ich träume gerade von einer 5:30 Zielzeit. Nein, er meint Marathonzeit. Ich sehe auf meinen Garmin. Da steht was von 2:36 oder so, das kann nicht sein. Bei näherem Hinsehen bemerke ich, dass er ausgeschalten ist. Ich muss wohl beim Ärmel hoch und runtermachen an den Knopf gekommen sein. Der hilft mir nicht weiter. Als ich wieder durchs Ziel laufe, steht da Günter und macht Bilder. So vergesse ich auf die Zeitmessung zu sehen. Kann ich wirklich die 4: 30 für den Marathon knacken?  Das hab ich noch nie geschafft. Ich laufe also noch eine Runde um auf die Zeiterfassung zu sehen: 4:21, das könnte gehen. Da muss ich aber an der Verpflegung Zeit sparen. Was aber, wenn ich dann nicht weiter kann. Es sind noch 10 km für die Fünfzig und ich laufe  doch auch für das Frauenteam.  Ich entscheide mich für ein Cola mit Salz und laufe zügig weiter. Ich sehe schon das Wäldchen in dem die 42,195 Zeitmessung steht. Ich stelle mir ein Marathonziel vor und laufe was geht. Plötzlich, oh nein. ein Krampf im rechten Oberschenkel. Ohne Vorankündigung war er da. Ich stehe. Andere Läufer fragen was los ist. Mit meinem „ein Krampf“ können wohl alle mitfühlen. Ich versuche zu gehen, es klappt. Ich versuche zu laufen. Sofort wieder Krampf. Also gehe ich die restlichen Meter, laufe dann aber doch über die Zeiterfassung, um sofort wieder zu gehen. Ich hab noch Salz.  Das sollte man eigentlich im Becher auflösen. Hab ich jetzt aber nicht. Also muss es so gehen. Bäh, schmeckt das ekelig. Aber es hilft, nach einer Gehpause kann ich im ruhigen Joggingtempo weiterlaufen.

Kurz vor dem Ziel sind wir sogar eine kleine Gruppe, die noch eine Runde zu laufen hat. Im Ziel steht wieder Günter und macht Fotos. Wo ist Norbert? Der müsste doch auch schon da sein. Dass Kathi mich schon vor einiger Zeit überholt hat, versteht sich von selbst. Hoffentlich hat sie die 5 Stunden geschaft.  An der Verpflegungstelle ist Günter aber wieder zur Stelle,( es gibt da wohl irgend eine Abkürzung) . Er erklärt mir, dass Norbert die Mädels zum Auto bringt, weil die bei den Temperaturen natürlich arg frieren. Auf der letzten Runde laufe ich ganz vorsichtig, und genieße die Strecke. Es sind noch einige Läufer unterwegs. Ich mache  auch noch ein paar Bilder, z. B. vom Wendepunktteam, und natürlich vom Notartzteam, mit seinem Musikzelt. Die Musik ist derart einmalig, dass sie mir sicher unvergesslich sein wird. Da waren Lieder dabei, die hab ich die letzten 20 Jahre nicht mehr gehört.

Ich kann sogar noch einige Plätze gutmachen, weil doch Einige gehen. Dann hab ich´s geschafft. Die Sprecherin leistet ganze Arbeit.  Sie möchte aber nun endlich wissen was FLBW bedetutet. Günter geht zu ihr um es zu erklären. Norbert ist nun auch da und übernimmt meine Zielverpflegung. Ich will nur noch sitzten. Er verwöhnt mich mit Müsliriegel und Tee mit Malzbier.

Was ist eigentlich aus Marlies geworden. sie muss mich irgendwann überholt haben, und ist mit sensationeller Zeit knapp an einem Podestplatz vorbeigeschrammt. Herzlichen Glückwunsch und Hochachtung!!!!!!!!

Die größte Überraschung kommt bei der Siegerehrung: Nicht nur Günter hat den ersten Platz in seiner AK, auch wir haben den ersten Platz in der Frauenmannschaftswertung erreicht.

Ergebnisse:

Männer:

Tobias Hegmann, 1.Platz  3:09,24

Günter Bauernfeind AK55 /  1.Platz 4:02,37

Norbert Fender AK50 /  33.Platz  4:35,32

Frauen:

Astrid Staubach 1. Platz  3:54,39

Marlies Gmehlich AK 45 /  4. Platz 4:26,40

Kathi Schramm AK 40 / 11.Platz 4:48,26

Birgit Fender AK 45 / 19. Platz 5:32,22

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Birgit am Januar 31st 2011 in 2011, Ultraläufe

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